Fall 15
 
Patient:
einundsiebzigjährige Frau
 
Unfall-Anamnese:
Die Patientin sei auf die rechten Hüfte gefallen.
 
Befund:
Die Schmerzsymptomatik ist primär im Bereich des re. Oberschenkels, Hüftgelenk und in die re. Leiste ziehend. DS über dem Sitzbein. Belastung des re. Beines schmerzhaft. Beweglichkeit schmerzhaft eingeschränkt.
 
Radiologie 1:
Becken tief, re. Hüfte seitlich.
 
Radiologie 2 (zwei Jahre zurückliegender Befund):
MRT Wirbelsäule, BWS, nativ:
Methodik: Rechteck-Oberflächenspule. Sagittale 4-mm-Schichten in T1- und T2-Wichtung. MR-Myelographie.
 
Befund:
Auf Höhe des linksseitigen Foramen intervertebrale BWK 1/2 findet sich eine 9,6 cm durchmessende runde in T1-Gew. hypointense und in T2-Gew. hyperintense Formation die am ehesten einer Wurzeltaschenzyste entspricht. Im übrigen unauffällige Darstellung der WK und Zwischenwirbelräume. Normale Präsentation des Myelons. Kein Nachweis eines intramedullären Tumors.
 
Beurteilung:
Verd. auf Wurzeltaschenzyste BWK 7/LWK 1. Ohne KM-Gabe oder ergänzende trans. Aufnahmen verbleibt eine Restunsicherheit. Aufgrund des Analogieschlusses zu den sacralen Veränderungen jedoch hohe Wahrscheinlichkeit dieser Diagnose.
 
Radiologie 3 (zwei Jahre zurückliegender Befund):
MRT Wirbelsäule, LWS, nativ u. KM:
Methodik: Rechteck-Oberflächenspule. Sagittale 4 mm Schichten in T1- und T2-Wichtung. Transversale 4 mm Schichten in T2-Wichtung in ausgewählten Bewegungssegmenten. MR-Myelographie.
 
Befund:
In der MR-Myelographie finden sich flüssigkeitssignaläquivalente ausgeprägte Wurzeltaschenzysten sacral. Der Spinalkanal zeigt keine signif. Einengung.
 
Die WK weisen eine normale Höhe auf. Die oberen Zwischenwirbelräume sind unauffällig bis auf eine geringfügige Retrospondylosis LWK 2/3 mit Bandscheibenprotrusion.
 
Der LWK 2 weist ein normales Signal auf. Der LWK 3 und LWK 4 zeigen eine Signalstörung in den vorwiegend rechtsseitigen abschlußplattennahen Abschnitten. Hier sind in T1-Gew. die Deckplatte nicht mehr sicher abgrenzbar, Hyperintensität in T2 und Hypointensität in T1-Gew. mit Normalisierung der Signal nach i.v. KM-Gabe in T1-Gew., somit deutliches Enhancement. Nach caudal hypointense Demarkationslinie im LWK 3 in T1-Gew.. In den Postkontrastaufnahmen erkennt man dann eine wellige unregelmässige Konturierung der Deckplatte LWK 4. Innerhalb der Bandscheibe liegt eine lineare Hypointensität als Ausdruck am ehesten einer Verkalkung bei dunklem Signal in T1- und T2-Gew.. Geringfügige Ventrolisthese LWK 2 gegenüber LWK 3 bei gleichzeitiger dorsaler Protrusion der Bandscheibe auf dieser Höhe. Ausreichende spinale Reserveräume. Das Bandscheibenfach LWK 4/5 ist geringfügig höhengemindert. Wellige Konturierung der Grund- und Deckplatten ohne entsprechende Signalstörung der benachbarten WK-Abschnitte. Paramedian und lateral links liegt hier eine umschriebene zungenförmige Prolapsbildung vor welche bis in das Neuroforamen links LWK 4/5 heranreicht. Verlagerung des Nerven. Zusätzliche Zeichen einer Annulus fibrosus-Insuffizienz auf dieser Höhe.
 
Das Bandscheibenfach LWK 5/SWK 1 ist unauffällig. Multiple flüssigkeitshaltigen Wurzeltaschenzysten sacral stellen eine harmlose Variante dar. Am ausgedehntesten mit einem Durchmesser von 22 mm ist eine Wurzeltaschenzyste rechts auf Höhe des S1. Hier resultiert auch ein knöcherner Defekt des Os sacrum.
 
Das Intervertebralgelenk LWK 3/4 zeigt eine vermehrte Flüssigkeitsfüllung bds.. Die übrigen Gelenke intervertebral ohne nennenswerte Auffälligkeiten.
 
Beurteilung:
1. Ventrolisthese LWK 3 gegenüber LWK 4 bei z. B. Folge einer Gleitinstabilität, Annulus fibrosus-Insuffizienz und ausgeprägter Signalstörung Typ Modic 1 im Sinne einer Stressreaktion. Im Falle einer systemischen Erhöhung der Entzündungsparameter müssen die vorliegenden Veränderungen in den benachbarten WK-Abschnitten LWK 4 und LWK 3 dd. auch an eine Spondylodiscitis denken lassen. Diese Differentialdiagnose ist allerding eher nachrangig zu diskutieren. .
2. Reaktive Spondylarthritis LWK 3/4.
3. Links paramedianer bis lateraler umschriebener Bandscheibenprolaps LWK 4/5 links, subligamentär zusätzliche erosive Osteochondrose ohne begleitende Stressreaktion.
4. Ausgeprägte Wurzeltaschenzysten bds. sacral rechts betont (harmloser Nebenbefund). Aufgrund dieser anlagebedingten Veränderungen Knochendefekt sacral.
 
Empfehlung:
Korrelation der Veränderungen mit BSG, CRP, entsprechende Physiotherapie respektive konsillarisch neurochirurgische Untersuchung.
 
Diagnose:
Vordere Beckenringfraktur re.
UU: RR-Abfälle unter medikamentöser Therapie bei Hypertonie.
 
Therapie:
Stat. Aufnahme zur Mobilisation. Kardiologische Abklärung sinnvoll.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Beckenringfraktur + Wurzeltaschenzysten
Fallzahl: 16